Unbehagen / Malaise / Unease
22. & 29. August 2026

LJ Jeschke
Jonas von Lenthe
Aodhan Madden
Nathalie Quintane
Shola von Reinhold
Monika Rinck
Théo Robine-Langlois
Keston Sutherland
Anna Zett


Organisiert mit Ann-Kathrin Eickhoff
Set von Concert Series 1
Im Lesesaal des Kunst Museum & Naturmuseum Winterthur

Unbehagen Malaise Unease versammelt Dichter:innen und Künstler:innen, deren Arbeiten sich einer Festlegung auf eine einzige Sprache, ein einzelnes Medium oder einen bestimmten Kontext entziehen. Das Festival findet im Lesesaal des Kunst Museum und Naturmuseum Winterthur statt, einer ehemaligen Bibliothek, die sich für die Dauer des Festivals zugleich in einen Ausstellungsraum verwandelt und deren Bühne vom Kollektiv Concert Series 1 gestaltet wird. An den beiden letzten Samstagen im August – dem 22. und dem 29. – finden Lesungen, Gespräche und Performances in deutscher, französischer und englischer Sprache statt. Dazwischen, vom 24. bis zum 28. August, bleibt der Raum als Ausstellung und Buchhandlung geöffnet.

Unbehagen Malaise Unease reagiert auf ein wachsendes institutionelles Unbehagen gegenüber poetischen und künstlerischen Praktiken, die sich einer eindeutigen Bestimmung oder unmittelbaren Verwertbarkeit entziehen. DerForderung nach Klarheit, Wirkung und Effizienz setzt das Festival Formen des künstlerischen Arbeitens, Denkens und Seins entgegen, die im Prozess verbleiben. Die Instrumentalisierung von Ungewisseheit durch antidemokratische Politik ist nicht Gegenstand des Festivals, bildet aber einen wichtigen Ausgangspunkt. Uneindeutigkeit wird heute zunehmend entweder als etwas behandelt, das es zu beseitigen gilt, oder als Ressource strategischer Interessen genutzt. Gerade diese Herstellung von Gewissheit – das Beharren auf eindeutigen Positionen und festgelegten Standpunkten – wird zur Haltung und Methode. Dem hält das Festival eine produktive, suchende Form der Uneindeutigkeit entgegen, die sich jener Logik des Festlegens verweigert, auf die solche Politik angewiesen ist.

Wir gehen davon aus, dass Poesie ihrem Wesen nach instabil ist. Sie bewegt sich in der Logik der materiellen Welt, die eine Geste nach aussen – oft hin zu einem Objekt – verlangt; zugleich richtet sie sich als Teil der symbolischen Welt nach innen. In beiden Fällen ist sie auf einen Mangel angewiesen, der Verlangen hervorruft; gerade diese Instabilität eröffnet den Raum für Interpretation. Wenn Poesie das eine Ende eines Spektrums zwischen Offenheit und Eindeutigkeit besetzt, versucht eine autoritäre Rhetorik das entgegengesetzte einzunehmen. Die eine sucht mit jener Konformität zu brechen, auf der Sprache beruht; die andere bemüht sich, sie zu festigen.

Dieser Frage gehen alle am Festival Beteiligten auf ihre eigene Weise nach: Welches politische Potenzial liegt in der Poesie, gerade weil sie sich der Eindeutigkeit entzieht, die von der politischen Rede für sich verlangt? Ein erster Ausgangspunkt hierfür war Anne Boyers How to Go From (1) und How to Go From (2). Die Texte fragen danach, wie man von A – Poesie, Text – nach B – Kunst, Objekt – gelangt und wieder zurück, nicht als Bewegung zwischen Gegensätzen, sondern zwischen Formen, die sich fortwährend ineinander übersetzen. Die hier versammelten Arbeiten bekennen sich zu ihrer eigenen Unabgeschlossenheit und unterlaufen eindeutige Vorgaben. Einige ahmen die Form von Handbüchern, Anleitungen, Statistiken oder Ratgebern nach, die Orientierung und Selbstermächtigung versprechen, und legen zugleich die Ironie offen, die diesem Versprechen innewohnt. Indem sie sich einer Auflösung verweigern, kehrt die Frage, mit der das Festival beginnt, am Ende unbeantwortet zurück: nicht, was Poesie bedeutet, sondern was sie noch vermag.

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Programm

Samstag 22. August, 15 – 18 Uhr
Lesungen & Performances von LJ Jeschke, Jonas von Lenthe & Anna Zett
In deutscher & englischer Sprache

Samstag 29. August, 14 – 17 Uhr
Lesungen & Performances von Aodhan Madden, Nathalie Quintane, Shola von Reinhold & Théo Robine-Langlois
In englischer & französischer Sprache

Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich. Getränke & Snacks offeriert.

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