Aktuelle Ausstellung

James N. Kienitz Wilkins

 
 
 

double feature

22. September – 17. November 2019

Die Ausstellung von James N. Kienitz Wilkins in der Kunsthalle (*1983 in Boston, lebt und arbeitet in New York) ist der erste Teil eines doppelten Auftritts in Winterthur, der im November mit einem Fokus der Kurzfilmtage seine Fortsetzung findet. Der Grund für die Zusammenarbeit liegt in der zentralen Rolle, die das Medium Film in seinem künstlerischen Schaffen spielt: Zum einen in Hinsicht auf die von ihm produzierten Werke, bei denen es sich zumeist um Filme handelt, zum anderen im Sinne einer Medienreflexion, die den Arbeiten ihr oftmals strenges konzeptuelles Grundgerüst gibt.
In die Kunsthalle bringt Wilkins fünf Stunden anspruchsvolle Unterhaltung in Form von zwei raumgreifenden Installationen mit. The Republic (2017) basiert auf dem gleichnamigen Drehbuch von Robin Schavoir, welches die Geschichte einer Gruppe libertärer Männer irgendwo im ländlichen Amerika erzählt, deren Gemeinschaft durch einen Mord erschüttert wird und die gewissen weltlichen Zwängen nicht zu entkommen vermögen. Wilkins liess das gesamte Skript von Schauspielern nachsprechen und verfilmte es als einzige, 205 Minuten lange Aufblende vom Schwarz ins Weiss. Gobo Cave (2019) ist eine 90minütige Lichtshow zweier Gobo-Projektoren, die sich zu einem Sampling von Filmmusik bewegen und die Logos bekannter Hersteller von 4K-Kameras an die Wand werfen. Beide Arbeiten verfügen über ein Zeitkostüm in Spielfilmlänge und machen ein visuelles Angebot, doch bleibt insgesamt der Ton bestimmend. Einmal als Dialog zwischen 15 Protagonisten, einmal als vom Künstler choreografierte Playlist lizenzfreier Musikstücke, die üblicherweise der Filmvertonung dienen.
In Gobo Cave ist es die Abfolge verschiedener Musikgenres, die für einen fragmentarischen Gesamteindruck sorgt, in The Republic die scheinbar endlose Aneinanderreihung einzelner Dialoge. Diese eigentliche Dekonstruktion einer kommerziellen Filmstruktur hat den interessanten Nebeneffekt, dass sich die einzelnen Charaktere, seien es Musikstücke oder Personen, von der Rahmenerzählung emanzipieren; sie sind nicht mehr der Erzählung untergeordnete Agenten, sondern autonome Hauptmotive.

Oliver Kielmayer